Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! Johannes 20,29
Liebe Leserinnen und Leser!
Wären da doch nicht immer diese Zweifel! Kann ich das und schaffe ich das? Sehe ich gut aus? Habe ich gut genug gearbeitet? Habe ich genug gelernt für die nächste Arbeit oder Klausur? Habe ich mich richtig verhalten?
Zweifel begleiten uns durch unser Leben. Sicherlich haben sie auch ihre Berechtigung. Sie fordern uns auf, noch einmal sorgfältig alles zu prüfen, bevor wir uns entscheiden und handeln. Sie bewahren uns vor Fehleinschätzungen und Fehlern.
Thomas, einer der zwölf Jünger Jesu, hat Jesus begleitet. Er war an seiner Seite, als es losging: Das Wirken Jesu, die Wunder, die Predigten, gemeinsame Feiern - kurzum das Leben mit Jesus war sein Leben. Und dann erlebt er auch Unfassbares: Jesus stirbt den Tod am Kreuz. Alle Hoffnungen, die er mit Jesus verbunden hat, sind dahin. Doch dann kommt eine unvorstellbare Nachricht: Jesus lebt. Jesus ist auferstanden von den Toten. Das kann doch nicht sein! Thomas hat doch den Leidensweg Jesu miterlebt. Der Tod am Kreuz war schrecklich. Da sind seine Zweifel berechtigt. Das kann doch nicht sein, dass Jesus leben soll! Thomas zweifelt. Denn während die anderen Jünger Jesus schon nach seiner Auferstehung gesehen haben, hat er das noch nicht erlebt. Erst einige Tage später erscheint Jesus. Thomas muss fühlen und begreifen. Er legt seine Finger in die Wundmale Jesu. Jetzt erkennt er es auch: Jesus lebt! Ja, er ist es.
Wie schön, dass wir zweifeln dürfen. Wie schön, dass es in Ordnung ist und Jesus uns dann besonders einlädt zu erfahren und zu fühlen, wie Nachfolge sein kann. Und wie großartig ist es, wenn uns Glaube von Gott geschenkt wird, ohne dass wir etwas sehen und prüfen müssen! Denn eins ist klar: Jesus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!
Herzliche Grüße für ein gesegnetes Osterfest!
Ihr/ dein Björn Kalmus
ANgeDACHT – Archiv
„Groß und wunderbar sind deine Taten, Herr und Gott, du Herrscher über die ganze Schöpfung. Gerecht und zuverlässig sind deine Wege, du König der Völker.“ Offenbarung 15,3 (Monatsspruch Oktober 2022)
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Die christlichen Zeitgenossen des Johannes, die diese Zeilen in seiner Offenbarung lasen, die er auf der Mittelmeerinsel Patmos geschrieben hatte, werden vielleicht mit dem Kopf geschüttelt haben. Wie konnte der Verfasser des letzten Buches im Neuen Testament nur eine solche Lobeshymne auf Gott zu Papier bringen? War angesichts der Situation der Christinnen und Christen in Kleinasien um das Jahr 90 n. Chr. nicht eher ein Gebet um Hilfe für die Verfolgten angebracht? Schließlich wurden sie wie nie zuvor von der heidnischen Bevölkerung und dem römischen Staat drangsaliert. Der regierende Kaiser Domitian wollte öffentlich als Gott verehrt werden. Dies war mit ihrem Glauben nicht vereinbar, so dass die Todesstrafe drohte. Dazu kamen lokale Pogrome durch die heidnische Bevölkerung, die immer wieder aufflammten. Nicht wenige Christen fielen vom Glauben ab.
Der Seher Johannes wollte in dieser Situation mit seiner Apokalypse Trost und Mut für die Christinnen und Christen in der Bedrängnis spenden. Gott hatte ihm die Ereignisse am Ende der Zeit offenbart, wenn Christus wiederkomme und Gott sein Reich aufrichte. Johannes‘ Botschaft war trotz der für uns heute fremden Sprachbilder klar und deutlich: Gott wird in Jesus Christus siegen und sein ewiges Reich aufrichten. Und darin werden weder Leid noch Schmerzen noch Tod Bestand haben. Es wird ein ewiges Friedensreich sein. Wenn der römische Kaiser jetzt auch wütet und die Christen leiden, wird Gott sich als der Sieger erweisen. Diese Botschaft sollte den Christen Mut und Hoffnung geben, um ihren Glauben zu bewahren.
Ich kann mir vorstellen, dass auch heute manche fragen, die diesen Monatsspruch lesen, wie kann man diesen Vers nachsprechen angesichts von Klimawandel, Krieg in der Ukraine und Corona-Pandemie? Wäre nicht eine Klage angebrachter? Die Antwort kann ähnlich wie damals lauten: Das Wissen um das gute Ende von Gott her und unser Vertrauen, dass er uns in Christus immer nahe ist, schenken uns Hoffnung für die Zukunft. Und unser Glaube gibt uns Mut und Kraft, für eine bessere Zukunft zu beten und dafür aktiv einzustehen. Machen wir uns die Zeilen von Hans-Joachim Eckstein zu eigen: „Es mag wie ein Widerspruch klingen, aber wer mit seinem Herzen ganz bei Gott ist und sich schon auf den Himmel freut, der hebt nicht etwa ab, er bleibt auf dem Boden. Er lässt sich von der Größe und Schönheit des Himmels beflügeln und steht mit beiden Beinen auf der Erde.“
Pfarrer Joachim Schuler
„Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit“ Sirach 1,14 (Monatsspruch September 2022)
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Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als ich zur Schule gegangen bin. Mathe hat mir leider so gar nicht gelegen. Egal wie sehr ich mich bemüht habe - und das habe ich - die Formeln und Zahlen wollten nicht in meinen Kopf. Dem entsprechend waren meine Noten in diesem Fach. Fünf, mit Glück mal eine vier.
Angst damit nach Hause zu gehen hatte ich aber nie. Meine Eltern wussten, dass ich alles tat, aber es einfach nicht verstand. Sie schimpften nicht, sondern trösteten, waren da und gaben mir das Gefühl: „Auch, wenn du kein Mathegenie bist, du bist genauso toll wie du bist. Und wir lieben dich!“ Dieses Gefühl von bedingungsloser Liebe war das größte Geschenk, das sie mir geben konnten und bis heute geben. Und auch, dass sie immer an mich geglaubt haben, denn Fun Fact: durch den richtigen Nachhilfelehrer bin ich später richtig gut in Mathe geworden.
Bedingungslose Liebe, das fordert auch der Monatsspruch für den September. Er geht sogar noch weiter: Gott lieben ist für ihn Weisheit. Nicht Mathe, oder Englisch oder sonst ein Schulfach. Nicht Allgemeinbildung, nicht Philosophie. Nein, Gott lieben.
Ich kann ihm da nur zustimmen. Denn wie ich schon als Kind gelernt habe, war es die Liebe, die mich angetrieben hat weiterzumachen und mich als wertvoll anzusehen. Nicht die guten Noten, die es später dann geworden sind.
Gott zu lieben ist die höchste Form ihn zu ehren. Ihn als unseren Schöpfer zu schätzen und alles was er für uns tut. Bei ihm ist es nämlich ähnlich wie bei mir mit den miesen Mathenoten: egal was wir nicht gut können oder sogar falsch machen, wir können immer zu ihm kommen. Werden empfangen als wertvoll und wichtig. Genauso wie wir sind. Und das immer wieder.
Ihm diese Liebe bedingungslos zurück zugeben das ist unser Geschenk für alle die Geschenke, die er uns macht. Auf ihn zu vertrauen und vielleicht auch Gott immer wieder mit offenen Armen zu empfangen, wenn wir manchmal den Eindruck haben, dass er etwas gerade nicht richtigmacht. Denn seien wir ehrlich: manchmal denken wir das schon, oder? Warum greift Gott nicht ein? Hört er mich überhaupt? Klar, das ist unser mangelndes Vertrauen, weil wir nicht verstehen. Aber nichts desto trotz ist es ein immer wieder neues Einlassen auf Gott und kein Wegstoßen.
Liebe ist nie eine Einbahnstraße, sondern ein Fluss. Zwischen Menschen, aber eben auch zu Gott. Gott liebt uns und wir lieben Gott und andersrum. Das ist die allerschönste Weisheit.
Ihre Rebecca Lackmann
"Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod." Hohelied 8,6 (Monatsspruch Juni 2022)
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Wenn ich mit Brautpaaren den Traugottesdienst vorbereite, gilt es auch, eine biblische Lesung für den Gottesdienst auszusuchen. Oft fällt dann die Entscheidung zwischen dem 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes (Glaube, Liebe, Hoffnung) und einem Textabschnitt mit unserem Monatsspruch. Denn dieser klingt sehr romantisch und spricht unverblümt von der Liebe zwischen Mann und Frau.
Aber genau hier scheiden sich seit Jahrhunderten die Geister in der biblischen Wissenschaft: Ist das Hohelied im Alten Testament eine Sammlung von Liebesliedern oder spricht hier der Verfasser gleichnishaft von der Liebe zwischen Gott und seinem Volk Israel? Gute Argumente gibt es auf beiden Seiten.
Jedenfalls wird in der Bibel des Alten wie des Neuen Testaments von der Liebe Gottes gesprochen, ja geradezu von ihr geschwärmt. So sehr, dass der 1. Johannesbrief formuliert: „Gott ist die Liebe.“ (1 Joh 4,16). So hat also die Liebe ihren Ursprung in Gott und er ist der große Liebende, der Liebhaber allen Lebens. Gottes Botschaft an uns ist, dass seine Liebe unverbrüchlich ist.
Das ist an Jesus abzulesen. In Jesus nimmt Gottes Liebe Gestalt an: Wie er auf Menschen zugegangen ist und sie geheilt hat. Wie er ihre innere Zerrissenheit gespürt und ihnen ihre Sünden vergeben hat, um einen Neuanfang zu ermöglichen. Wie er von Gott, unserem Vater im Himmel, erzählt und so den Menschen die Liebe Gottes verdeutlicht und so verkündigt hat. Und wie er – seine größte Tat – aus Liebe zu uns und somit für uns in den Tod gegangen ist zur Vergebung der Sünden. An Jesus ist abzulesen, wie konkret und gleichsam handgreiflich Gottes Liebe zu uns ist. So gewaltig, dass sie selbst den Tod für uns besiegt hat.
In einer Auslegung zu unserem Monatsspruch war zu lesen, dass Gottes Liebe in Jesus Christus „weltförmig“ sei. Ein Begriff, der die Wirkung dieser Liebe gut beschreibt. Denn sie formt wirklich die Welt nach Gottes Willen. Und zwar immer dann, wenn wir Menschen diese Liebe, die wir selbst erfahren, an andere weitergeben: in unserer Hilfe für andere, in einem tröstenden Wort an andere, in einer Spende für Notleidende, in einem Gebet für andere oder für den Frieden. Angesichts von Umweltkatastrophen wie der Pandemie oder dem Krieg in der Ukraine muss uns klar sein, dass wir die Welt nicht vollends nach Gottes Willen formen können. Aber wir können sie durch Gottes Liebe, die wir leben, Stück für Stück zu einem besseren Ort machen. Gott helfe uns dazu.
Ihr Pfarrer Joachim Schuler
Liebe Gemeinde,
Liebe Gemeinde,
Liebe Gemeinde,
wieder ist Krieg. Doch diesmal ist er nicht weit weg, nicht am Hindukusch und nicht irgendwo in Asien, sondern sehr nah, in Europa. In der Ukraine sprechen Waffen eine mörderische und menschenverachtende Sprache. Menschen sterben, werden verletzt, Frauen und Kinder fliehen, Männer greifen zu den Waffen, um ihre Heimat zu verteidigen.
In den Älteren werden bei den Bildern aus Kiew und der Ukraine Erinnerungen an den letzten Krieg wach, die etwas Jüngeren denken an die Stimmung der Kubakrise und ihre Befürchtungen bei der Stationierung der Mittelstreckenwaffen in Europa. Wenn dann noch von „Alarmbereitschaft atomarer Abschreckungswaffen“ die Rede ist, fürchten sich viele nicht zu Unrecht. Angst und Ohnmacht sind die beherrschenden Gefühle.
Man müsste doch etwas tun, etwas unternehmen. Hunderttausende haben es in den vergangenen Tagen getan, sind friedlich auf die Straßen gegangen, haben sich mit ihren Demonstrationen für den Frieden und für die Solidarität mit den Menschen in der Ukraine eingesetzt.
Menschen – auch in unserer Gemeinde – haben sich zu Friedensgebeten versammelt, Kraft, Trost und Zurüstung im Gebet gesucht und gefunden, sich in Fürbitte an die Seite der Leidenden gestellt.
Was hat Gott mit diesem Leiden zu tun? Hat er überhaupt etwas damit zu tun, oder lassen ihn Not, Angst, Leid und Tod unberührt?
Die Zeit, die mit dem Aschermittwoch beginnt, verweist auf die eine, gültige Antwort, die die Bibel, die unser Glaube auf diese Fragen wagen darf.
Wir erinnern uns in diesen Wochen, und dann besonders konzentriert an den Kar-und Ostertagen, an das Leiden und Sterben Jesu. Sein unschuldiges Leiden, sein Sterben und sein Tod sagen uns: Gott hat am Kreuz das Leiden zu seiner eigenen Sache gemacht. Mit dem am Kreuz leidenden und sterbenden Jesus leidet Gott selbst, bleibt all dem nicht unbeteiligt fern, macht es zu seiner Sache, zu seinem Leiden.
Und überwindet es am dritten Tag. Denn Leiden und Tod sind nicht das Ende der Passionsberichte. An deren Ende steht die Botschaft: Gottes Liebe überwindet sogar den Tod. Seit dem Ostersonntag dürfen wir und alle hoffen und vertrauen, dass Gott alles und alle zu einem guten Ende führen wird.
Dieser Glaube gibt Vertrauen und Kraft. Er gibt auch die Energie und Fantasie zum Handeln, zum Helfen und zum Gebet. Und er gibt die Hoffnung auf ein Ende der Gewalt, auf Frieden und darauf, dass Menschen, die zusammenstehen, die Welt verändern können.
Bleiben Sie gesund und behütet.
Ihr Pfarrer Rolf Klein
Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. Johannes 6,37 (Jahreslosung 2022
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Vor ein paar Tagen hat sich bei mir eine ehemalige Freundin gemeldet. Lange Jahre waren wir sehr gut befreundet gewesen, aber dann hatten sich unsere Leben auseinanderentwickelt. Wir beide haben Dinge getan, die die Andere verletzt haben und wir beide fühlten uns im Recht. Die Folge war, dass wir nicht mehr miteinander gesprochen haben, jetzt seit mindestens 1 ½ Jahren. Aber vor ein paar Tagen dann tauchte auf meinem Handy eine Nachricht auf von einer Nummer, die ich nicht eingespeichert hatte. „Wie geht’s dir?“ Einfach so, aus dem Nichts. Das Profilbild verriet mir, dass sie es war. „Was will sie?“ dachte ich sofort. Ich spürte Misstrauen über die so harmlose Frage. „Was mach ich jetzt?“. Antworten oder ignorieren? Die Tür für immer zuschlagen oder sie wieder ein Stück öffnen und ein Gespräch beginnen?
Ein „Türmoment“ - so wird das in der Auslegung der Jahreslosung beschrieben. Ich finde diesen Begriff sehr schön und passend. Solche „Türmomente“ kennen wir schließlich alle. Der banale „Türmoment“ wenn wir einen Raum betreten wollen und nicht wissen, was uns hinter der Tür erwartet. Aber eben auch die zwischenmenschlichen „Türmomente“.
Unsere Jahreslosung gibt uns ein Versprechen. Jesus sagt uns: Wenn ihr an meine Tür klopft –und es ist ganz egal wie lange ihr nicht mehr davor standet - dann wird sie offen sein. „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“
Diese Aussage nimmt Angst vor einem Neuanfang, oder nicht? Und auch Jesus bittet uns, dass wir ihn nicht abweisen, wenn er bei uns „anklopft“.
Ich antwortete meiner ehemaligen Freundin: „Mir geht’s gut, ich hoffe, dir und deinem Mann und deiner Tochter auch.“ Und sie antwortete mir, dass es ihr nicht gut ginge, dass sie Probleme in der Familie hätte. Und so schrieben wir hin und her, als ob es niemals eine Tür gegeben hätte.
Diese „Türmomente“ wünsche ich uns allen in diesem neuen Jahr!
Ihre Pfarrerin Rebecca Lackmann
Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR. Sacharja 2,14 (Monatsspruch Dezember 2021)
Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR. Sacharja 2,14 (Monatsspruch Dezember 2021)
Liebe Gemeinde,
wenn Sie diese Ausgabe des Rundblick in Händen halten, sind es nur noch ganz wenige Wochen bis Weihnachten.
Wenn sich nicht erneut dramatische Entwicklungen ergeben, werden Sie, werden wir es wieder so feiern, wie wir es gewohnt sind und im letzten Jahr so schmerzlich vermisst haben.
Wir werden wieder Gottesdienst feiern können, Familie, Freunde und Bekannte am Weihnachtsbaum versammeln, singen, lachen, gut essen, das Fest genießen.
Darauf freuen wir uns schon heute.
Dabei werden wir wohl nicht vergessen, was die letzten Monate, eigentlich die letzten 1 ¾ Jahre vielen Menschen bei uns, in unserem Land und in der Welt zugemutet und abverlangt haben: Corona, Hochwasser, Abschiede und Einschränkungen.
Vielleicht ist gerade wegen all dieser Ereignisse unsere Freude wenn auch stiller, so doch größer.
Mit der Freude verbunden ist für manchen auch die Dankbarkeit dafür, wie er oder sie in der letzten Zeit behütet und bewahrt wurde, von Unfall oder Katastrophe verschont geblieben oder genesen ist.
Zu Freude und Fröhlichkeit lädt auch der Monatsspruch aus dem Propheten Sacharja ein.
Den Grund dafür sieht er in dem Geschehen, das Kern und Mitte des Weihnachtsfestes ist:
Gott wohnt bei uns Menschen. Er kommt in diese Welt und er tut das nicht als ein unnahbares göttliches Wesen, er tut es, indem er einer von uns wird, Mensch wird.
In der Krippe von Bethlehem beginnt Gottes Weg zu uns, seine Menschwerdung, seine nun nicht mehr zu übersehende Nähe zu seinen Geschöpfen.
Gott wird Mensch. Gott wohnt in dieser Welt.
Das ist die Botschaft des Weihnachtsfestes. Nicht in einem fernen Himmel, nicht jenseits der Galaxien ist er, lässt er sich finden. Mitten unter uns, in dieser Welt wohnt er, ist er zuhause.
Wenn das so ist, dann ist ihm keine und keiner fremd, dann weiß er um unsre Ängste und Nöte, unsere Sehnsüchte und unsere Freude. Er kennt all das und er teilt es mit uns.
Wir glauben nicht an einen fernen, unnahbaren Gott. Wir glauben an den menschgewordenen, den nahen, den liebenden Gott, der sich in Jesus, im Kind in der Krippe zeigt, um bei uns zu sein, unter uns zu wohnen.
Darüber dürfen wir uns von Herzen freuen und fröhlich Weihnachten feiern.
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen behüteten Übergang ins Jahr 2022.
Ihr Pfarrer Rolf Klein
Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken Hebräer 10,24 (Monatsspruch Oktober 2021)
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Ich schreibe diese Zeilen Anfang September 2021 und Corona ist immer noch. Als die Pandemie vor rund 18 Monaten begann, hätte ich nie gedacht, dass sie so lange anhalten würde. Das damals beste Mittel, das man neben diverser Hygienemaßnahmen gegen eine Infektion hatte, war es, Abstand zu halten, sich voneinander zu distanzieren. Denn jede enge Begegnung – epidemiologisch Kontakt genannt – brachte Gefahren mit sich. Also schlossen wir Gruppen und Kreise, räumten die Kirchen um, spannten Flatterband zwischen den Bankreihen und verzichteten wochenlang sogar auf Präsenzgottesdienste. Vieles lief stattdessen über Internetkonferenzen und Telefonanrufe. Kreative Ideen kamen hinzu. Denn wir wollten gerade unsere älteren Gemeindeglieder nicht gefährden.
Doch trotz allem Einfallsreichtum bleibt Abstand Abstand und Distanz Distanz. Die Folge ist Vereinzelung und manchmal resultiert daraus Vereinsamung.
Der Hebräerbrief aus dem Neuen Testament stellt die Gemeinschaft in den Mittelpunkt und ist damit hochaktuell. Die Gemeinschaft mit Gott, die uns Jesus Christus schenkt, und als Folge davon, die Gemeinschaft von uns Christinnen und Christen untereinander, die wir in unseren Gemeinden mit Leben füllen. Dieses Gemeindeleben war in den vergangenen anderthalb Jahren sehr eingeschränkt. Jetzt, nach den Sommerferien, läuft langsam alles wieder an. Den Impfungen sei Dank.
Unser Monatsspruch Oktober gilt natürlich zu allen Zeiten, gerade in einer Pandemie. Aber jetzt, da wir uns wieder näher kommen, können wir uns von seinen Empfehlungen inspirieren lassen: Wir sollen aufeinander achtgeben, was nicht heißt, einander kontrollieren („Wo warst du heute?“), sondern emphatisch und sensibel sein und merken, wenn wir einander im Alltag brauchen und vielleicht Unterstützung und Hilfe notwendig ist.
Ebenso mahnt der Hebräerbrief dazu, über den Tellerrand der eigenen Gemeinde hinauszusehen und Bedürftigkeiten in den Blick zu nehmen. Er nennt das gute Werke tuen. Einige Beispiele dazu: Wo ist meine Hilfe in meiner direkten Umgebung, z.B. in der Nachbarschaft, nötig? Wie kann ich den Flutopfern der letzten Monate helfen? Gibt es Möglichkeiten, Flüchtlingen aus Afghanistan unter die Arme zu greifen? Möglichkeiten gibt es viele, Liebe zu üben und uns gegenseitig dazu anzuspornen, indem wir als gutes Beispiel vorangehen. ‚Denn es gibt nichts Gutes, außer man tut es‘ (Erich Kästner).
Ihr Pfarrer Joachim Schuler
"Sommer"
"Sommer"
Liebe Gemeinde,
sind Sie auch urlaubsreif? Wie sehr sehnen sich alle nach der Wärme, den langen, schönen Tagen und Abenden der schönsten Jahreszeit. "Ja, ich bin urlaubsreif", so sagen Sie. Aber - bin ich auch reif für den Urlaub? Beides hört sich sehr ähnlich an - und doch ... Es ist spannend, dass dieses kleine Wörtchen "reif" in der deutschen Sprache einen doppelten Sinn hat.
"Ich bin urlaubsreif" - damit will man sagen, dass man von allem die Nase gestrichen voll hat, dass es einem bis oben hin steht, dass man einfach nur weg will und vor allem hier raus. Ich glaube, das geht vielen im Moment so.
"Ich bin reif" dagegen meint, eine gewisse Vollendung erreicht zu haben, zum Beispiel wie bei einer Frucht, die gepflückt werden kann. Eine gewisse Reife zu haben, bedeutet dann, einen Wachstums- oder Lebensabschnitt erfolgreich abgeschlossen zu haben. Das meinte das früher übliche Wort "Reifeprüfung" für den Abschluss des Gymnasiums. „Ja, ich bin urlaubsreif", aber - bin auch "reif" für den Urlaub? Oder, mit anderen Worten: "Habe ich die Kunst des Urlaubmachens" überhaupt gelernt? Das soll nämlich keine Flucht aus dem Alltag sein. Das ist auch keine Reduzierung des "Lebens" auf diese Tage und Wochen des Jahres.
Die "Kunst des Urlaubmachens" bedeutet vielmehr, im Urlaub sehr bewusst ein Gegengewicht zum Alltag zu setzen, ohne diesen aber dadurch entwerten zu wollen. Alltag und Urlaub - zwei Bereiche, die sich ergänzen und deswegen zusammengehören. Alltag und Urlaub - zwei Bereiche, die gemeinsam beitragen zu einem gelungenen Leben. Alltag und Urlaub - zwei Bereiche, die uns vom Schöpfer vorgegeben sind. Denn in sechs Tagen erschuf Gott die Welt, und am siebten ruhte er. Und sein Sohn Jesus Christus suchte zwischen seinen Predigten auch immer wieder die Ruhe und das Alleinsein. Warum sollten wir es anders machen?
Und ein zweiter Gedanke. Vielleicht verschafft uns diese bewusste Auszeit eine Antwort auf die Frage: "Gott, wo bist Du?" Denn besonders im Sommer sind überall die Spuren Gottes zu entdecken: Im Singen der Vögel, in den prächtigen Farben der Blumen, im satten Grün der Bäume.
Die Welt, sie ist Gottes Schöpfung, sie trägt Gottes Handschrift und zeigt: Gott thront eben nicht fern im Himmel, sondern er ist uns Menschen so nah wie die Luft, die wir atmen, wie die Sonne, die uns wärmt. Gott hat uns reich und überreich mit der Schönheit dieser Welt beschenkt. Vielleicht ist der Sommer eine besondere Gelegenheit, noch einmal ganz neu die Schönheit und Einzigartigkeit von Gottes Welt wahrzunehmen und sich der Verantwortung wirklich zu stellen.
Lassen Sie uns also diese wunderbare sommerliche Zeit ganz bewusst wahrnehmen und leben, um uns diese Reife auch im alltäglichen zu bewahren.
Gottes Segen sei mit Ihnen. Bleiben Sie gesund!
Ihre Pfarrerin Rebecca Lackmann
„Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.“ Monatsspruch Juli: Apostelgeschichte 17,27
„Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.“ Monatsspruch Juli: Apostelgeschichte 17,27
Liebe Gemeinde,
„Wo ist denn Dein Gott?“ Diese Frage haben mir Menschen immer wieder gestellt. Meist war es in Situationen voller Not, Leid und Abschiedsschmerz.
Niemals bricht die Frage so drängend, so bedrängend auf wie in Zeiten von Katastrophen, Krankheit, Trennung und Tod.
Und selbst wenn nicht die Grenze dessen erreicht ist, was Menschen tragen und ertragen können, die Frage „Wo ist denn Dein Gott?“ steht immer wieder im Raum.
Es ist keine neue Frage und so haben Glaubende aller Zeiten ihre Antworten gewagt, gesagt und gesungen. In einem meiner liebsten Lieder aus dem Gesangbuch heißt es:
Luft, die alles füllet, drin wir immer schweben, aller Dinge Grund und Leben, Meer ohn Grund und Ende, Wunder aller Wunder: ich senk mich in dich hinunter. Ich in dir, du in mir, lass mich ganz verschwinden, dich nur sehn und finden.
Du durchdringest alles; lass dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten, lass mich so still und froh deine Strahlen fassen und dich wirken lassen. (EG 165, 5+6)
Das Bild der Luft, die um mich herum ist, aber auch in mir, die wirkt, aber unsichtbar ist, spricht ich unmittelbar an, gibt mir Antwort auf die Frage „Wo ist denn Dein Gott? Unsichtbar und doch da, lebensnotwendig, erfrischend und belebend, so kann ich Gott erfahren, an mir, in mir.
Das drückt auch der Monatsspruch aus. Gott scheint nur manchmal fern. Er ist es aber nie wirklich. Er ist da und uns nah, wie die Luft, wie das Licht.
Um ihn zu finden, müssen wir uns nur öffnen, öffnen für die Luft, für das Licht, für das Leben, öffnen für die Erfahrung, dass Gott gegenwärtig ist. Diese haben Menschen aller Zeiten, die man gemeinhin Mystikerinnen und Mystiker nennt, gemacht und geteilt. Nicht in der Ferne, nicht im Himmel und nicht bei den Sternen haben sie Gott gesucht.
Sie haben ihn gesucht in der Stille, in seinem Wort, im Herzschlag, im Atem, im Licht. Und sie haben ihn gefunden. Wir können es auch, wenn wir uns öffnen für ihn, seine Gegenwart und sein Wort.
Bleiben Sie behütet, gesund und gesegnet.
Ihr Pfarrer Rolf Klein
Christus ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung Kolosser 1,15 (Monatsspruch April 2021)
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Dieser Bibelvers klingt nach hoher Theologie. Er hört sich für unsere Ohren verkopft und theoretisch an. „Es ist mir sehr weit entfernt. Und gerade jetzt in der Coronakrise will mir das noch sehr viel weiter weg erscheinen“, schreibt Pastor Michael Freitag in seiner Auslegung zum Monatsspruch.
Ich schreibe diese Zeilen Anfang März. Seit einem Jahr bestimmt nun das Virus unseren Alltag. Restaurants, Geschäfte, Museen, Theater und Kinos sind momentan geschlossen. Kontakte zwischen Menschen werden nach wie vor reglementiert. So sehr das alles in einer Pandemie notwendig ist, um Infektionen zu reduzieren, stöhnen viele unter diesen Maßnahmen, weil ihre psychischen und körperlichen Kräfte zur Neige gehen. Für den ein oder anderen steht sogar die wirtschaftliche Existenz auf dem Spiel.
Und dann ein solcher Monatsspruch? Als der Apostel Paulus seinen Brief in die kleinasiatische Stadt Kolossä schreibt, sind die Christen auch dort im Krisenmodus. Vermeintlich christliche Prediger haben sich in der Gemeinde breit gemacht, die bewusst gegen Paulus agitieren. Sie machen den Menschen Angst. Die antike Welt sei jederzeit vom Untergang bedroht. Die Grundelemente der Welt seien im Kampf miteinander. Naturkatastrophen seien die unausweichliche Folge. Damit treffen sie auch den Nerv zeitgenössischer Philosophie. All dies sorgt für ein Klima der Unsicherheit und Angst.
Die Situation der Christen in Kolossä und unsere heute scheinen sich zu ähneln. Was schreibt Paulus dazu, der hunderte Kilometer entfernt in Ephesus missioniert? Er antwortet mit einem Loblied auf Christus auf die Sorgen und Ängste der Christinnen und Christen in Kolossä. Aber nicht um in theologische Sphären zu entfliehen, sondern um mit diesem Hymnus eine Botschaft nach Kolossä zu senden: Habt keine Angst und fürchtet euch nicht vor den Mächten und Gewalten dieser Welt! Denn Christus ist da! Er ist der Herr über alle Mächte und Elemente in der Natur!
Paulus konnte damals seine Mitchristen beruhigen. Weil er ihnen mit diesem Bekenntnis zu Jesus Christus Halt gegeben hat, sie in ihrem Glauben vergewissert hat.
So kann der Monatsspruch auch unsere Sichtweise verändern: Ähnlich wie die österliche Auferstehung den karfreitaglichen Tod überwindet, kann mit dem paulinischen Loblied auf Christus unser Vertrauen in Gottes Fürsorge wachsen. Wir sind durch ihn und in ihm geborgen und behütet, egal was noch kommen mag. Er ist der Herr über allem und immer für uns da. Er lässt uns nicht im Stich! Darauf können wir vertrauen.
Pfarrer Joachim Schuler
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